Folgen Sie mir pausenlos

Antje Vowinckel

Folgen Sie mir pausenlos. Ein Speakview mit automatischen Sprechern

Produktion: DeutschlandRadio 2012                                                                                   Ursendung 8. 6. 2012, Länge: 50’

Mit Dave Ball, Clarisse Cossais, Axel Dörner, Fernanda Farah, Shelley Hirsch, Sven Ake Johansson, Annette Krebs, Chico Mello, Antje Vowinckel

Acht Sprecher und Sprecherinnen, ausgestattet mit Headset-Mikros und Aufnahmegeräten, liefen nacheinander je eine Stunde lang über den ehemaligen Flughafen Tempelhof. Sie folgten mir auf einem vorher festgelegten Parcours und  hatten die Anweisung permanent zu sprechen. Die Idee war, den  Raum gleichsam sprechend abzufilmen, in einzelne Bilder zu zerlegen und in der Montage neu zusammen zu setzen. Es sollte keine akustische Fotografie entstehen, die auf die Eindeutigkeit der Topographie setzt, sondern eine multiperspektivische Konstruktion der Wirklichkeit, ein akustisches Schielen.

Den Parcours hatte ich vorher ausgewählt, dann in vielen Versuchen das Gehtempo bestimmt und die Gehzeit für einzelne Abschnitte der Wegstrecke gestoppt. Während selbst extreme Windgeräusche kaum ein Problem darstellen,  wenn  die Mikrofone der Headsets direkt vor dem Mund platziert und ausreichend durch Windjammer geschützt sind,  dominiert das eigene Atmen selbst bei mittlerem Tempo  schon stark und läßt alles wie eine Hetzjagd wirken. Also mußte ich die Sprecher und Sprecherinnen  dazu bringen, in einem langsamen und gleichmäßigen Tempo zu gehen. Zu diesem Zweck bekamen über den Audioguide, der auf einen MP3-Stick gesprochen war, nicht nur Richtungsanweisungen sondern auch gelegentlich ein Metronomklicken. So war dafür gesorgt, dass alle den Parcours in der gleichen Zeit absolvierten, und die Atemgeräusche nicht dominierten.

Alle kamen im Abstand von 30 Minuten zum Ausgangspunkt. Dort bekamen sie Mikro, Aufnahmegerät und Audioguide sowie eine kleine Skizze des Parcours.  Wir testeten die Aussteuerung  und alle versicherten, nicht lauter zu sprechen. Bei Eintritt in den Hangar war dieses Versprechen allerdings längst wieder vergessen.  Im Aufnahmegerät war zwar ein Limiter programmiert, der das Schlimmste verhindert hat. Einige Übersteuerungen sind dennoch zu hören, wo sie zur Situation passen, habe ich sie akzeptiert.

Die Hangars sind für die Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich.

In den Wochen zuvor hatte ich daher bereits von der für den Hangar zuständigen Firma (gegen Bezahlung) die Erlaubnis eingeholt, dass die Teilnehmer vom Parkgeländer aus hinein gehen durften. Das Tor zum Vorfeld des Hangars mußte in dieser Zeit von unserer  Assistentin bewacht werden.

Zusätzlich zu den Mono-Sprachaufnahmen der Sprecher gibt es verschiedene Stereo-Aufnahmen von Geräuschen auf dem Tempelhofer Feld.