Roman im Glas. TĂŒrkische Klangvitrinen von Antje Vowinckel nach Motiven von Orhan Pamuk

 

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Ich wollte aus den Dingen immer ein Bild formen, sie aber versuchten mir anscheinend etwas anderes zu sagen.  (Orhan Pamuk)

Zu seinem Roman „Das Museum der Unschuld“ baute Pamuk in Istanbul ein gleichnamiges Museum, das die im Roman vorkommenden GegenstĂ€nde in Vitrinen versammelt. Hinter Glas, gehen die Dinge dort neue, zufĂ€llige Verbindungen ein und verweisen auf das ZeitgefĂŒhl  der Oberschicht im Istanbul der 70er Jahre.  

„Bei der Gestaltung der Vitrinen wurde mir bewusst, dass die Dinge, die ich jahrelang gesammelt  und im Roman beschrieben hatte, im Museum eine neue Bedeutung gewannen. Sobald sie in die Vitrinen kamen, redeten sie miteinander und sangen ein neues, ein ĂŒber den Roman hinausgehendes Lied“.

Dieses  „Lied“ möchte ich mit meinen  StĂŒck hörbar machen.  Die  Idee der Vitrinen und der zufĂ€lligen Begegnung von Dingen und SĂ€tzen verkörpert sich in der  Verwendung von Glasfrequenzen. Diese verfremden den ursprĂŒnglichen Klang  und rĂŒcken ihn in eine Distanz, wie man sie beim Betrachten der Dinge im Museum erlebt. Auch die Stimmung des „hĂŒzun“  deutet sich an, das schwermĂŒtig passive LebensgefĂŒhl der TĂŒrken, wie es Pamuk in seinen BĂŒchern beschreibt.

„Da es sich dabei nicht um etwas Transparentes handelt, sondern vielmehr um etwas, womit man die Wirklichkeit verdrĂ€ngt, um besser mit ihr zurechtzukommen, könnte man „hĂŒzĂŒn“ mit dem Dampf vergleichen, der sich an einem kalten Wintertag auf einem Fenster niederschlĂ€gt, vor dem ein Teekessel kocht.“

Viele der Klangaufnahmen  habe ich im Juni 2013 gemacht, also zur Zeit der ersten Gezi-Park Demonstrationen.  Zahlreiche Menschen versammelten sich  sowohl gegen als auch fĂŒr die Regierung, um fĂŒr ihre politische Vision einzustehen. Das Ende von  hĂŒzĂŒn?