künstlerische Position

Mir geht es in meiner Arbeit vor allem darum, dem Zuhörer Räume für seine eigene Phantasie zu erschließen. Wenn es mir gelingt, eine Struktur zu schaffen, die weder vollkommen beliebig noch vollkommmen determiniert ist, sondern dem Zuhörer innerhalb eines bestimmten Assoziationsgefüges Freiräume aufzeigt, die er mit eigenen Bildern und Gefühlen füllen kann, dann haben die Stücke auch eine Chance hängen zu bleiben und beim Hörer eine individuelle Erfahrung auszulösen . Damit der Hörer ein Gespür für diese Freiräume bekommt, ist es die Aufgabe des Künstlers durch die Struktur und Dramaturgie eines Stückes die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf eine bestimmte Ebene des Stückes zu fokussieren.

Dort wo es um feine Differenzierungen eines Geräuschs geht, braucht es eine andere „Brennweite“ als wenn es um sagen wir Wagnersche Chöre geht. Auch wenn es z.B. um das Verhältnis von Text und Musik geht, ist diese Brennweite entscheidend.

Wenn klar ist, dass Geräusche den Text illustrieren, bzw. ganz auf den Bewegungen der Schauspieler im Raum beruhe, wird kein Hörer mehr auf die Nuancierungen der Geräuschstruktur selbst hören, sondern diese nur als Beiwerk des Textes wahrnehmen.

Ein besonderen Herausforderung in der Regie sind für mich Texte von Ror Wolf oder Ron Winkler. Diese Texte erzählen keine realistischen Geschichten und erlauben einen Umgang, in dem Geräusche in einem flexiblen Verhältnis zum Text stehen.

Ich versuche dabei, die Brennweite des Hörers in Bezug auf die Bilder flexibel zu halten, ich verlange ihm eine Zoom-Wahrnehmung ab. Er ist gefordert, ein Geräusch mal als illustratives Bild, mal als eigenständiges zum Text querstehendes Bild zu sehen, und mal als abstrakteres, nur verwandtes Bild, das aber eine auffällige musikalische Struktur hat. Der variiierende Abstand der Bilder zum Text ist bewußt gewählt,  und ich bin der festen Überzeugung, dass die Lust und die Fähigkeit diesen

Wahrnehmungsparcour zu folgen, ganz allgemein die Kreativität des Denkens in allen Bereichen schult. Die Fähgikeit, etwas als dieses oder jenes wahrzunhemen, je nachdem vor welchem Hintergrund ich es sehe, je nachdem wie ich meine Wahrnehmung focussiere ist eine Fähgikeit, die Menschen in allen Lebensbereichen brauchen können.