Kurze Interviews mit fiesen MĂ€nnern
David Foster Wallace als groĂes Klangexperiment:
Was schon als Text zugleich bedrĂŒckend und faszinierend ist, hat Antje Vowinckel (..) noch einmal gesteigert durch die Ăberlagerung mit einer mutig dissonanten Klangkomposition, die sich vor dem UnertrĂ€glichen nicht drĂŒckt.” — Oliver Jungen, FAZ
…Antje Vowinckel hat aus diesen eigenwilligen GestĂ€ndnissen ein Hörspiel von bezwingender Sogwirkung geschaffen.
hr2-bestenliste, Januar 2011
Antje Vowinckel hat eine strenge Auswahl aus den ErzĂ€hlungen getroffen, die 1999 in den USA und 2002 unter dem Titel âkurze Interviews mit fiesen MĂ€nnernâ bei Kiepenheuer& Witsch erschienen. Damals galt der 1962 geborene David Foster Wallace bereits als Genie und obendrein als die groĂe Hoffnung der amerikanischen Literatur. Es war seine Absicht, dem Leben und der Literatur gerecht zu werden, in beiden Welten satisfaktionsfĂ€hig zu sein. Dazu musste er sich dem Dauergeplapper aussetzen, das unsere Wirklichkeit ist. Aus deren Zutaten und AbfĂ€llen schuf er ein eigenes Universum, von dem sicher ist, dass seinen Bewohnern der Boden unter den FĂŒĂen fehlt.
Diesem GefĂŒhl ist das konzentrierte, wunderbar kraftvolle, mit dem Willen zur Perfektion produzierte Hörspiel verpflichtet.
Jens Bisky, SĂŒddeutsche Zeitung, 10. Dezember 2010
…Kongenial ist diese Umsetzung vor allem deswegen, weil sie eben nicht eins zu eins nach der Vorlage arbeitet, weil hier nicht alles schön der Reihe nach buchstabengenau abgelesen wird. Die innere Spannung dieser Prosa wird vielmehr als Stimmengewirr inszeniert; sparsame Musik- oder eher Klangakzente strukturieren ein Tableau aus Sprachfetzen, Monologen und DialogstĂŒcken.
Nun hĂ€tte das alles leicht zu einer höchst langweiligen SchauvorfĂŒhrung in Sachen Dekonstruktivismus werden können. Antje Vowinckel entgeht dieser Gefahr, indem sie geschickt die SchwimmbaderzĂ€hlung âFĂŒr immer ganz obenâ, die hoch hinauf auf die einsame Höhe eines Sprungturmbrettes fĂŒhrt, aufsplittert, so dass von Anfang an eine zusĂ€tzliche Binnenspannung entsteht.
Bei einem herkömmlichen Hörspiel wĂŒrde man es als Mangel empfinden, wenn die gehörten Stimmen nicht einzelnen, genau umrissenen Personen zuzuordnen sind. Derlei GeschĂ€ftsgrundlage gilt bei Wallace lĂ€ngst nicht mehr: Die individuelle Persönlichkeit ist ausgelöscht worden, ist hinter den Sprachmustern und âschablonen der umbarmherzig vor uns abrollenden Rollenprosa verschwunden. Manchmal scheint es, als wĂŒrden wir, in einem Wartesaal oder Zugabteil, zu ungewollten Zeugen dieser Psychodramen. Man möchte das alles ĂŒberhaupt nicht wissen- und kann dennoch nicht abschalten. Hier hat jemand sein Mikrofon voll aufgedreht, er erspart uns nichts. Foster Wallace ist ein hochsensibler, gnadenloser Berichterstatter vom Schauplatz des tĂ€glichen Geschlechterkampfes. Er geht bis an die Schmerzgrenze und oft noch ein StĂŒck darĂŒber hinaus- dorthin wo Irrsinn und NormalitĂ€t plötzlich Hand in Hand auftreten, und wir sie erstaunt als eineiige Zwillinge erkennt.
Jens Sparschuh im Tagesspiegel, 15. 1. 2011
Die Hörspielautorin, Regisseurin und Komponistin Antje Vowinckel hat den ErzĂ€hlungsband âKurze Interviews mit fiesen MĂ€nnernâ in ein akustisches Abenteuer verwandelt.(…) Viele verschiedene Stimmen und eine differenzierte Klangkomposition fĂŒgen sich zu einer Collage unterschiedlicher Situationen und Geschichten. Anfangs ist das verwirrend und hat doch eine eigenartige Sogwirkung. man glaubt Zeuge intimer GesprĂ€che zu werden. (…) Es könnte leicht ermĂŒdend sein, eine ganze Stunde lang mĂ€nnlichen Minderwertigkeitskomplexen, Anmachmethoden und Allmachtsfantasien zu lauschen. Doch das mutet die Regisseurin Antje Vowinckel ihren Hörern nicht zu. Die âkurzen Interviewsâ mit den âfiesen MĂ€nnernâ sind eingebettet in zwei lĂ€ngere ErzĂ€hlungen. Eine handelt davon, wie ein Junge zu Mann wird. (…) Trotzdem hat Regisseurin Antje Vowinckel die Essenz dieses Buches kongenial ins akustische Medium transferiert. Sie hat prĂ€gnante Interviews und zwei charakteristische ErzĂ€hlungen ausgewĂ€hlt: Eine MĂ€nner. und eine Frauengeschichte, Geschichten aus der PubertĂ€t, beide traumatisch. Dazwischen stehen ein kurzer Ehescheidungsdialog und die Fiktion einer verstörenden Quizsendung, die den Zynismus so mancher Realityformate im Fernsehen gut trifft.
Christel Wester in: WDR – Passagen, 16. 12. 2010
…..Wie auch immer, âkurze Interviews mit fiesen MĂ€nnernâ macht auf jeden Fall richtig SpaĂ. Auch, weil die Texte lebendig in ein experimentelles Hörspiel mit vielen verschiedenen Stimmen, Klangcollagen und Musik verpackt sind:
rbb/RadioFritz, 12. 1. 2011
Antje Vowinckel ist zustĂ€ndig fĂŒr Regie und den Klang und ist fĂŒr die eher auĂergewöhnliche Vorlage ebenso ungewöhnliche Wege gegangen. Die GerĂ€usche sind oft unharmonisch und unterbrechen die Reden von den MĂ€nnern, sind aber abstrakt und haben nichts mit der Geschichte an sich zu tun. Die Musik ist dabei passenderweise ebenso experimentell und strĂ€ubt sich ein wenig, eine sanfte Untermalung zu bieten. (…) Fazit: Das HörstĂŒck ist experimentell und somit vielleicht nicht jedermanns Geschmack. An schwarzem Humor und einer gewissen augenzwinkernden Wahrheit mangelt es aber keinesfalls.
www.Literaturforum.de 12. 11. 2010
Konsequenterweise bleiben auch im Hörspiel, wie in Wallace Buch, die Fragen der unsichtbaren GegenĂŒber gĂ€nzlich unausgesprochen; werden hier durch ein Rauschen ausgeblendet. Die Konzentration des Hörers liegt dadurch ganz auf der Person des Interviewten und wird nicht von auĂen manipuliert.
(hoerbuch-blog.dom, 3. 1. 2011)
….Regisseurin Antje Vowinckel, die auch fĂŒr die Komposition der Musik verantwortlich zeichnet, verwandelt die schwierigen Texte des Autors ĂŒber MĂ€nnerschicksale in ein Tongeflecht, das in seiner RadikalitĂ€t zwar nicht leicht zu konsumieren ist, sich aber mit dem Ă€sthetischen Anliegen von Foster Wallace deckt.
….Das Hörspiel von Antje Vowinckel will provozieren und schafft es auch. Sowohl durch Wallace Inhalt als auch durch Vowinckels kantige Interpretation. Sicher nichts fĂŒr die groĂe Masse der Hörspielhörer, wohl aber fĂŒr die Liebhaber von auĂergewöhnlichen, kĂŒnstlerischen Umsetzungen.
Nico Steckelberg in www.der-hoerspiegel.de, 26. 12. 2010.
…Die Hörfassung kann in Anbetracht der Spieldauer von etwa einer Stunde natĂŒrlich nicht alle Textes des Buches wiedergeben. Geschadet hat das nicht. Das Hörbuch ist knapper geraten und durchweg unterhaltsam. MĂŒdigkeit kommt da nicht auf. Das mag zum Teil auch an der durchaus gewagten akustischen Umsetzung liegen. Bearbeiterin, Regisseurin und Klangkomponistin Antje Vowinckel hat zahlreiche, teils etwas gewöhnungsbedĂŒrftige Soundeffekte eingestreut. Mal sind es GerĂ€usche, die an alte Drucker erinnern, teils wirres Gezupfe oder absichtlich primitive Melodien, die ebenso mechanisch anmuten, wie der eine oder andere der fiesen Kerle. Das ist in sich schlĂŒssig, untermalt den Text mit treffenden GerĂ€uschbildern und gibt Struktur.
Dr. Randy Weinheimer in www.titel-magazin.de, 12.12. 2010
Felicia Zeller ĂŒber GesprĂ€che mit Astronauten:
Das “GesprĂ€che mit Astronauten”-Hörspiel ist ganz groĂartig geworden. Die Leier-GesĂ€nge sind groĂartig. Das ganze ist sehr lebendig und hat mich beim Mithören im Internet sehr erfreut.â
Ron Winkler ĂŒber Torp: â tollpâ
Falk Richter ĂŒber ânothing hurtsâ:
Ich habe eben das Hörspiel gehört und bin sehr begeistertâ! Ich finde, dass hier die Regisseurin mit den Sprechern einen Ton und eine Stimmung getroffen haben, die ich absolut richtig und stimmig fĂŒr meine Texte finde. Besonders Sascha Icks hat genau diese insentimentale KĂŒhle und Verletzbarkeit und besonders den ersten Teil Winter Ateilier und den SChluĂ Klinik Alles auch finde ich absolut gelungen, sehr intensiv, eine angenehme kĂŒhle EmotionalitĂ€t. Ja, und auch der Chill Out Text ist wirklich sehr schön performed von Marcus Calvin. Die sounds gefallen mir sher gut, da sie meistens eine KlangsphĂ€re schaffen, die die Ebene des Textes, die so an die Grenzbereiche zwischen Rauschen und Psychose herangeht, zum Schwingen bringen.
Ja, also sehr gelungen, und Jule ist natĂŒrlich in Caiphirinha hervorragend.
Der SchlĂŒssel
Antje Vowinckel hat die in ĂŒberraschenden Perspektivwechseln vorgebrachten Bekenntnisse zurĂŒckhaltend inszeniert und mit comicartig stilisierten GerĂ€uschminiaturen eigene rhythmische Marken gesetzt. Die Wiederholung vordergrĂŒndig harmloser AblĂ€ufe, durch die Betrug, verbotene Leidenschaft und der Zusammenbruch der Beziehung jedoch ganz offensichtlich und unaufhaltsam ihren Lauf nehmen, findet ihre akustische Entsprechung in verknappten, jeweils nur kurz angerissenen Handlungspartikeln, die so klingen, als wĂŒrden TischgesprĂ€ch oder Geschlechtsakt von AufziehpĂŒppchen ausgefĂŒhrt.
Frank Kaspar in der FAZ, 8. 5. 2003
Gimps und Gurken
âhöchst unterhaltsamâ
Frank Olbert ĂŒber âGimps und Gurkenâ, FAZ, 8. 9. 01
Hörer-Email an SFB:
An die Autorin, die Programmverantwortlichen und alle Interessierten:
Selten so gebannt bei einer Radio-Sendung vor den Lautsprechern gesessen.
Die Möglichkeiten des Mediums voll ausgeschöpft: o-Ton-Interviews, KlĂ€nge, Laute, Hintergedanken aus dem Off, alles wie in einem groĂen sinfonischen Chor zusammengefĂŒgt. Ein kompliziertes und abstraktes Thema âzum Greifen naheâ ans Ohr gebracht; durch einfachen Satzbau, Wiederholungen, unterstĂŒtzende HöreindrĂŒcke. Informationen lautmalerisch vermittelt. Eine Sinfonie. Falls es so etwas wie einen Feature-Preis im deutschen Hörfunk gibt, schlage ich den Beitrag von Antje Vowinckel dringend dafĂŒr vor.
Danke fĂŒr diese unverhoffte Bereicherung am Samstagmorgen! Die ĂŒblichen Erledigungen muĂten erstmal warten.
Eine Hörerin an den SFB
Ist Marvin Dash Lowtec, ist Lowtec Korsakov? (Feature von Anne König)
König und Vowinckel setzen viele der angesprochenen Techniken auch als Darstellungsmittel ein und bringen solchermaĂen die journalistische Form und das Thema in Einklang. Ihr Feature kann als kleines MeisterstĂŒck zeitgemĂ€Ăen Kulturradios gelten. Die Sachgeschichte ist hier Vehikel fĂŒr gestalterischen Witz. Damit erbringen König und Vowinckel den Beweis, dass akustische Kunst mehr als eine Randerscheinung im Programm und Experimentierfeld von Kellerkindern ist.
Markus Collalti, FAZ 14. 2. 2002